
Arbeitskreises Recht und Verfassung besucht JVA und Polizeivollzugsschule in Straubing
MdL Franz Schindler, der Vorsitzende des Arbeitskreises Recht und Verfassung der SPD-Landtagsfraktion, informierte sich zusammen mit MdL Reinhold Perlak, MdL Horst Arnold und MdL Prof, Dr. Peter Paul Gantzer vor Ort auch darüber, welche zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen in der JVA Straubing seit der Geiselnahme einer Psychologin im April vergangenen Jahres getroffen wurden.
„Gute Arbeit bei schwierigen Bedingungen" werde in der JVA geleistet, lobte Franz Schindler das Personal in der Einrichtung, in der im Moment 864 Häftlinge untergebracht sind - davon 210 lebenslänglich. Zu den aktuell 418 Mitarbeitern würden rund 20 weitere benötigt, um die schwierige Arbeit optimal bewältigen zu können, so Schindler. Der Personalmangel sei aber nicht nur in Straubing ein Problem. In Bayern würden insgesamt rund 300 Mitarbeiter im Strafvollzug fehlen; „Damit sind wir das Schlusslicht aller Bundesländer."
Doch das Geld, um mehr Leute einzustellen, sei offenbar nicht vorhanden: „Das Justizministerium befürwortet es zwar, aber das Finanzministerium bremst." Doch die SPD-Fraktion lasse nicht locker und werde bei den nächsten Haushaltsberatungen wieder einen Antrag auf mehr Mitarbeiter für den Strafvollzug stellen, kündigte Schindler an.
Neben der Personalsituation war auch die Sicherheitslage in der JVA nach der Geiselnahme ein Thema. „Es ist nie auszuschließen, dass es in einer solchen Einrichtung zu Gewalttätigkeiten oder Geiselnahmen kommt", machte Schindler deutlich. Aber es müsse für bestmögliche Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der Anstalt gesorgt werden. Nach der Geiselnahme sei mit den Planungen für ein neues 1,8 Millionen Euro teures Personennotruf-Alarmierungssystem begonnen worden, die Installation soll nächstes Jahr abgeschlossen sein. Schindler kritisierte, dass es erst einer Geiselnahme bedurft habe, um dieses dringend notwendige Notrufsystem mit mobilen Taschengeräten und Ortungsmöglichkeiten auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus seien nach dem Vorfall zusätzliche Metalldetektoren angebracht worden, um zu verhindern, dass Häftlinge zum Beispiel Messer oder andere Werkzeuge mit auf ihre Zellen schmuggeln.
Auch zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte bezüglich der nachträglichen Sicherungsverwahrung nahmen die Mitglieder des Arbeitskreises Stellung. Dieses Urteil sorgt für Verunsicherung, weil befürchtet wird, dass in absehbarer Zeit immer noch gefährlich geltende Gewaltverbrecher freigelassen werden müssen, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ihre nachträgliche Sicherungsverwahrung als unzulässig beurteilt hat. In Straubing sind von den derzeit 70 Sicherungsverwahrten 19 betroffen. Grundsätzlich hoffe man, dass es nicht zu diesen Entlassungen komme, betonte MdL Perlak. Dennoch bereite sich die JVA darauf vor und arbeite diesbezüglich eng mit der Stadt zusammen. Falls es doch zu Freilassungen kommen sollte, habe man das ..beruhigende Signal" er halten, dass die Entlassung nicht vor Ort erfolgen muss das heißt, dass nicht alle betroffenen Häftlinge nach ihrer Freilassung in Straubing bleiben.
Foto: Die Mitglieder des Arbeitskreises Recht und Verfassung der SPD-Landtagsfraktion statteten der Justizvollzugsanstalt einen Besuch ab. (von links) MdL Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, MdL Horst Arnold, MdL Reinhold Perlak und MdL Franz Schindler (Vorsitzender des Arbeitskreises)